Nachdem Aylin monatelang Bewerbungen geschrieben hatte, bekam sie endlich eine Zusage von einer Softwarefirma in Hamburg. Obwohl sie sich sehr freute, war sie auch nervös, denn sie hatte bisher immer in ihrer Heimatstadt gelebt und kannte in Hamburg niemanden.
An ihrem ersten Arbeitstag wurde sie von ihrem Chef, Herrn Brandt, sehr freundlich begrüßt. Er zeigte ihr das Büro, stellte sie den Kollegen vor und erklärte ihr, welche Aufgaben sie in den nächsten Wochen übernehmen sollte. Allerdings sprachen alle so schnell, dass Aylin sich kaum die Namen merken konnte.
In den ersten Wochen fühlte sie sich oft überfordert. Die Besprechungen waren lang, viele Abkürzungen verstand sie nicht, und abends war sie so erschöpft, dass sie keine Lust hatte, die Stadt kennenzulernen. Manchmal fragte sie sich, ob die Entscheidung, umzuziehen, wirklich richtig gewesen war.
Eines Tages lud ihre Kollegin Jana sie ein, nach der Arbeit mit ein paar Leuten aus dem Team etwas trinken zu gehen. Aylin wollte zuerst absagen, weil sie müde war, doch dann überlegte sie es sich anders. Es wurde ein lustiger Abend, an dem sie mehr über ihre Kollegen erfuhr als in den ganzen Wochen davor.
Von da an wurde vieles leichter. Wenn sie etwas nicht verstand, traute sie sich, nachzufragen, und sie merkte, dass niemand erwartete, dass sie schon alles wusste. Jana zeigte ihr am Wochenende den Hafen, die besten Cafés und einen kleinen Markt, auf dem man frischen Fisch kaufen konnte.
Nach drei Monaten hatte Aylin ihr erstes Mitarbeitergespräch. Herr Brandt lobte ihre Arbeit und sagte, dass das Team sehr zufrieden mit ihr sei. Auf dem Heimweg lächelte Aylin: Hamburg fühlte sich zum ersten Mal wie ein Zuhause an.